Telessio - Valsoera - Praghetta Superiore

Merkmale
Startpunkt: 
Telessio
Starthöhe: 
1917 m
Ziel: 
Praghetta Superiore
Zielhöhe: 
2160 m
Wegweiser: 
560
Höhenmeter: 
Bergauf: 1481 m - Bergab: 1217 m
Länge: 
11 km
Schwierigkeitsgrad: 
EE - für erfahrene Wanderer - Siehe Schwierigkeitsskala
Laufzeit: 
Hinweg: 5 h 10 min - Rückweg: 5 h
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GPS-Track: 
Anhänge: 
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Stützpunkte: 
  • Rifugio (Berghütte) Pontese, oberhalb des Telessio-Stausees  (Lago del Telessio) (45 min), bewirtschaftet, mit einem großen Schlafraum und einigen kleinen Schlafzimmern, Toiletten im Innenbereich, Duschen und warmem Wasser, http://web.tiscali.it/rifugio.pontese/;
  • Rifugio Pocchiola Meneghello, in der Nähe vom Valsoera-Stausee  (Lago di Valsoera) (3h 05 min), nicht bewirtschaftet, immer offen, mit 12 Betten, Kocheinrichtung, Wasser und Toiletten im Aussenbereich, http://www.geatcaitorino.it/RifPocc.htm.

Anfahrt

Man erreicht den Telessio-Stausee (Lago di Telessio), indem man bis zum Ende der Straße folgt, die von Locanas Weiler Rosone aus zum Piantonetto-Seitental hochführt. Der Fahrzeugparkplatz befindet sich in der Nähe der Gebäude der IREN-Anlage.

Beschreibung

Der Weg führt der Dammwand entlang bis zum Telessio-Stausee; dabei läuft man über Lawinenreste, die sich in den Jahren mit reichen Schneefällen angesammelt haben und in der Sommerzeit erhalten bleiben.

Die Ausnutzung der Wasserresourcen im Orco-Tal für Energiezwecke ist Geschichte geworden. Die Projekte zur Stromerzeugung für die Stadt Turin sind zum Anfang des 20. Jahrhunderts zurückzuführen. Im Jahr 1931 wurde in Anwesenheit des Erbprinzes Umberto di Savoia der große Damm in Ceresole Reale eingeweiht .

In diesem ersten Abschnitt der Bergstrecke muss man Gesteinsmassen übersteigen, die sich durch einen Erdrutsch angehäuft und die  Straße darunter begraben haben; es sind jährlich kleine Aufräumungsarbeiten notwendig, um den Weg von den Steinen zu befreien. Dies ereignet sich häufig  unter den Felswänden, wie die großen Schutthalden im ganzen Hochtal bezeugen. Es sind noch weitgehend aktive Vorgänge geologischer Formung; Ursache sind die starken Bodenerhebungen, die das ganze Becken des Piantonettotals und im Allgemeinen die   piemontesische Seite  des Gran-Paradiso-Massivs charakterisieren und die Lockerung der Gesteinsablagerung, vom jüngsten  großen Rückzug der Gletscher verursacht. Zu diesen Faktoren kommt die meteorische Abtragung an der Oberfläche der Felswände und an der Innenseite von Felseinschnitten hinzu. Die Gesteinsart (hartes oder weiches Gestein) und die Eigenschaften der Brucharten (Intensität und Ausrichtung zur Felswand) bestimmen dann die Schutthalden-Art (größere  oder kleinere Stückelung).

Die Vegetation dieser Bergseite auf steinigen Böden  ist in ständiger Veränderung, da sie  in bestimmten Zeitabständen durch Lawinen gestört wird; sie ist durch großflächigen Bewuchs mit Grünerle (Alnus viridis) gekennzeichnet, “drosa” im lokalen Dialekt. Diese Vegetationsformation findet man oft auf verlassenen Weiden.

Die strengen Formen der großen, grauen  Felsenwände des Gran Paradiso-Gneis dominieren die Landschaft. Im Piantonettotal erkennt man sehr gut eine junge Gletscheraktivität, die diese Felsen stark modelliert hat, wie das folgende  Bild zeigt. Man kann die großen Gletschermulden erkenne, die in chronologischer Folge von unten (wo die Vegetation den Boden erobert hat)  nach oben (unter den Gräten, wo man große Schuttablagerungen beobachtet)  die Phasen eines fortschreitenden Gletscherrückzugs bezeugen. Im Vordergrund sieht man Felsformen, die durch die Gletscherabreibung an den Felsvorsprüngen entstanden sind.

Aus der strengen Umgebung des Plateaus ragt das gelbe Dach des Rifugio (Hütte) Pontese hervor; auch beim Nebel an Sommernachmittage ist diese gut von den dominierenden grün-grauen Farben zu unterscheiden.

Einem ersten steilen Abschnitt folgt im Anstieg zur Bocchetta  Valsoera eine lange Überquerung auf steilen, teils überhängenden Bergrippen. Die Route bietet Ausblicke auf den oberen Teil des Piantonetto-Seitentales und sehr gute Aussichtspunkte über aktive und ruhende  geomorphologische Modellierungen.

 

 

Auf dem Bild erkennt man die großen Geröll- und Lawinenkegel; der Bach hat den Geröllkegel eingeschnitten, wobei eine morphologische Umrandung und die entsprechende Böschung gebildet wurden. Man sieht auch die Schuttschichten unter den Felswänden.

Beim Ansteigen wird die Vegetation immer spärlicher und weicht den Felsaufschlüssen aus. Die Vegetation bleibt allerdings vielfältig, eigenartig und wunderschön; man beobachtet  Anpassungsformen und Strategien der Pflanzenwelt, um in dieser strengen Umgebung zu überleben. Zum Beispiel haben sich Pflanzen in kleineren und besonderen Formen entwickelt, um die Bodenwärme besser auszunutzen, so wie mit dicken, fleischigen Blättern und starken Farben, die vor den UV-Strahlen schützen.

Wir sind jetzt auf alpiner Höhe, wo unter anderen Pflanzenarten die sogenannte Campanula excisa (siehe Foto) zu beobachten ist, Endemismus der Silikatgesteine der Lepontischen Alpen und des Canavese-Gebietes (G.P. Mondino , flora e vegetazione, 2007).

Von der mit einem großen Steinmännchen gekennzeichneten Bocchetta aus blickt man auf das Valsoera-Seitental und auf den Valsoera-Stausee; gegenüber ragt das große und dunkle dreieckige Profil des Moncimour empor.

 


Auch hier finden wir eine typische Gletscherlandschaft, wo kleine grasbewachsene Flächen  zwischen weiten und scheinbar öden Schuttablagerungen erscheinen, wo man aber auch plötzlich und unerwartet  einer Schafherde begegnen kann!

Die Hirtentätigkeit oberhalb des Valsoera-Stausees  ist auf  eine Schaf- und Ziegenherde beschränkt, die frei oder halbfrei weidet; das Futterangebot ist ja bescheiden, auch in Anbetracht der Höhenlage und der vielen Felsgesteine, die das Weideland bedecken. In der Vergangenheit war jedoch die Ausnutzung dieser Gebiete intensiver und die Anzahl von Tieren auf der Sommerweide größer. Auch wenn die Umweltbedingungen die Verfügbarkeit an Futter und somit an Produktion verringern, kann man nicht das gleiche über die Qualität behaupten: Gerade in den hochgelegenen Weiden produziert man die besten Fleischsorten und  die schmackhafteren Käse; dazu kommt noch die unvergleichliche Naturreinheit der Produkte.

Vor der Überquerung des Dammes, im letzten Teil des Weges oberhalb des Sees, kann man kleine Feuchtgebiete mit dichter und gleichmäßiger Vegetation betrachten, vor allem Cyperaceae wie die armblütige Sumpfbinse (Eleocharis quinqueflora) und verschiedene Riedgräser; das auffälligere Wollgras (Eriophorum scheuchzeri) sticht mit seinen weißen wollartigen Blüten in der intensiv grünen Umgebung hervor.

 

 

Der Weg führt am Valsoera-Stausee entlang bis zum aus Steinen und Zement gebautem Staudamm, den man überquert, um unterhalb des Rifugio ((Berghütte) Pocchiola-Meneghello zu gelangen, einem kleinen Haus, das wie angeklammert am Felsen über dem See erscheint; aus dem Gerüst einer stillgelegten Elektrokabine wurden die Bauarbeiten für die Hütte im Jahr 1977 begonnen.

In diesem Gebiet bleiben noch sichtbare Spuren der großen Baustelle, die für die Dammarbeiten errichtet worden war,  wie auch der Gebäude für die Belegschaft und für die Arbeitsvorgänge, die schon lange verlassen sind. Auch der Dammwächterdienst ist seit langer Zeit eingestellt.

Eine kleine Kapelle ist noch inmitten Findlinge und vom Gletscher abgerundeter Felsen erhalten, ein Zeichen dafür, dass einst in dieser wilden Umgebung viele Menschen lebten.

 


Der steile Hangaufstieg zum Passo Destrera ist  nicht zu unterschätzen: An einigen Stellen muss man vorsichtig sein; es bieten sich aber auch wunderschöne und interessante Ausblicke aus luftigen Felsklammen.

Wenn wir am Destrerapass den höchsten Punkt des Bergrückens erreichen,  werden wir von einem weiten Panorama belohnt, das von den Orco-Talgipfeln bis zur Ebene reicht, während im Hintergrund die charakteristische Dreieckform des Monviso in den Cottischen Alpen sich abhebt, des Symbolberges der Region Piemont.

Der Weg führt zum Alpuggio-Seitental; die wilde Landschaft ist auch hier  von den typischen Gletscherformen des oberen Piantonettotals dominiert.

Auf der linken Hangseite erscheint eine von der Sonne bestrahlte Felsleiste, die die Gleichmäßigkeit  der Schluchten unterbricht, worauf der Weg nach dem Alpuggio-Pass Richtung Bergkamm zwischen Alpuggio-Seitental  und Praghetta-Seitental führt.

 

 

 

 

Im Tälchen unter dem Pass trifft man auf kleine kreisförmige Bauten, die vermutlich von Hirten erstellt wurden, um die Tiere vorübergehend unterzubringen; diese wurden inmitten kleiner grasbewachsener Lichtungen und im Schutz von großen bei  Erdrutschen über die überhängenden Felswände herabgestürzten Felsblöcken gebaut. Die eigenartige Kreisform hängt von der Suche nach einfachen Bautechniken ab, da es an Holz zur Abdeckung mangelte.

Im Bild darunter sieht man einen Teil des felsigen Bergkammes des Passo Destrera; es sind deutlich die Zeichen der wichtigsten Bruchsysteme zu erkennen, die die geologische und strukturelle Anordnung lokal und im gesamten Gneiss-Komplex des Gran Paradiso festlegen (in Blau dargestellte ellipsenähnliche Fläche in folgender geologischen Karte).

Einmal hinüber in das Praghetta-Seitental beginnt der Kalkschieferkomplex (in Gelb gezeichnet in folgender geologischen Karte), der aus einem vollkommen unterschiedlichen Gestein besteht, davon  vorwiegend Kalkschiefer und grüne Steine aus dunklerer Farbe, die im Allgemeinen weniger gegen die Verwitterungen widerstandsfähig sind. Demzufolge verändert sich die Morphologie vollkommen, und sie nimmt weniger raue Formen an, wie auf dem folgenden Panoramabild zu sehen ist.

Geologische Darstellung aus "Structural Model Of Italy” (CNR, 1990)