Praghetta Superiore - Talosio

Merkmale
Startpunkt: 
Praghetta Superiore
Starthöhe: 
2160 m
Ziel: 
Talosio
Zielhöhe: 
1225 m
Wegweiser: 
561
Höhenmeter: 
Bergauf: 375 m - Bergab: 1268 m
Länge: 
10,7 km
Schwierigkeitsgrad: 
E - Wanderung - Siehe Schwierigkeitsskala
Laufzeit: 
Hinweg: 4 h 20 min - Rückweg: 5 h 15 min
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GPS-Track: 
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Stützpunkte: 
  • Bivacco Blessent, in der Nähe von  Arzola (2 h 45 min), kann im Notfall ein Anhaltspunkt sein, und ist als Behelfsunterkunft zu betrachten.
  • Posto tappa (Etappenunterkunft) gta Talosio, bietet akzeptable Räumlichkeiten in der ehemaligen Schule des Weilers mit der Möglichkeit, in einem der beiden Räume zu essen.

Anfahrt

Der Weiler Talosio der Gemeinde Ribordone ist über die Provinzstraße Nr. 49 erreichbar, die durch das Ribordone-Seitental von Sparone aus hinaufführt.

In Talosio steht ein Bus zur Verfügung; einen Tag vorher unter der  Nummer 800049629 zur Reservierung anrufen.

Beschreibung

Nach der Hangüberquerung unter dem Gipfel  Punta Praghetta erreicht man den Bergkamm, wo sich die Alpe di Colla und die Parkwächterhütte des Nationalparks Gran Paradiso befinden.

 

 

Der Weg überquert  den steilen, an  Felsenbildungen reichen Südhang. Vegetationsveränderungen können in der Nähe von Wasserläufen und kleinen Quellen beobachtet werden.

Hier lässt die typische Vegetation des trockenen Graslandes nach; breite Mooskissen umschlingen die Felsen und  dank der starken Wasseraufnahmefähigkeit   bilden sich geeignete Umweltbedingungen  zur Entwicklung von hoch spezialisierten hygrophilen Arten,  die in Kontrast mit der Vegetation der Umgebung sind.

Trotz des geringen Ausmaßes dieser Mooslandschaft ist ihre Umweltbedeutung beträchtlich,  weil zur Entwicklung spezielle Umweltbedingungen notwendig sind. Es handelt sich um einen natürlichen Lebensraum von gemeinschaftlichem Interesse, der in den Auflistungen der EU-Richtlinie 43 vom Jahre 992 enthalten ist; Ziel der Richtlinie ist es, die gefährdeten und von besonderem Interesse Lebensräume und Arten durch die Schaffung des sogenannten Netzes „Natura 2000“ zu schützen. Hier kann man die Drosera rotundifolia erkennen, eine kleine Fleischfresserpflanze, die sich dank der Feuchtigkeit und dank den von Wasserstauungen bedingten Bodenverhältnissen  entwickelt hat.

An der Alpe di Colla sind zwei nebeneinanderstehende Berghütten in traditioneller Bauweise zu bemerken aufmerksam. Eine davon, die im Bild zu sehen ist, weist  eigene architektonische Merkmale auf, insbesondere das mit Gras  bewachsene Dach.

 

 

Das Gebäude besitzt eine einfache rechteckige Form und die einzige Eingangsöffnung; es wird derzeit als Stall benutzt. Auf dem Eingangsbalken sind ein sehr altes Datum (655)  und die Initialen des wahrscheinlichen  Besitzers eingraviert. Im Innenraum kann man die Dachabdeckungsstruktur betrachten, die aus einer Überlagerung von Steinplatten besteht (es fehlt also ein Holzgebälk nach canavesanischer Tradition) und eine Art Höhle bildet, wie im  Bild zu sehen ist.

Vom Aussichtspunkt, Colmetta genannt  (Foto unten), genießt man einen wunderschönen Ausblick auf das obere Orco-Tal und auf die Lanzo-Täler.

Von hier aus kann man die steilen Weiden der Alpe Praghetta beobachten; man bemerkt die Spuren der heute aufgegebenen hundertjährigen menschlichen Aktivität,  wie die  Entsteinung der Weiden und die zur Kuhmistverteilung dienenden Gruben. Hier verbreitet sich der Wacholder (Juniperus nana) fortlaufend ab den wegen ihrer Steilheit nicht mehr benutzten Gebieten.

Von der Alpe la Colla führt der Weg abwärts in Richtung  Alpe Montagne di Sopra,  durch dürftige Weiden, die im unteren Teil von Wacholdern und Alpenrosen gedrängt werden. Der Weg führt  dann in den größtenteils nicht spontan gewachsenen Wald hinein, der das Resultat von Forstpflanzungen der 60er Jahren mit Lärche, Fichte und Kiefer ist.

Hier trifft man auf das Sträßchen, das die Ankunftsstation der schiefen Ebene von IREN (von Perebecche-Rosone) mit dem im Jahre 1959 von AEM Turin fertiggestellten Eugio-Staudamm verbindet.

 

Der Weg führt Richtung Alpe Giassetto den linken Steilhang des Eugio-Seitentals  (Vallone dell’Eugio) hinauf; die Route bietet hier ein sehr schönes Panorama, und einige Felsrippen lassen die Aussicht auf das Eugio-Seitental  und das Orco-Tal genießen.

Das Bild unten zeigt eine Gesamtansicht auf das obere Eugio-Seitental ; man beobachtet eine noch gut erhaltene Gletschermorphologie; der Blick fällt  auf die Spitzen Piata di Lazin, (aus der flachen Spitze gut erkennbar), Punta Gialin am Talende und Moncimour.

Ein ausgedehnteres Panorama bis zum Tal hinunter und zur Ebene schenkt der Ausblickpunkt am Bergrücken in Richtung Arzola-Spitze (Monte Arzola).

Von der Wallfahrtskirche aus,  die  der Madonna des Schnees und Christus Erlöser gewidmet ist, hat man eine gute Gesamtaussicht dem Gebirgskamm entlang, der die Wasserscheide zwischen dem Ribordonetal  und dem Orco-Tal darstellt, so im Foto zu sehen. Dieser Bergkamm weist Spuren von morphologischen Segmenten auf, die Formen bewahren die  auf Gravitationsprozesse von großen Ausmaßen   zurückzuführen sind. ( Tiefe Erdferformung des Hangs )

Beim Abstieg in Richtung Talosio kommt man in Alpe Arzola vobei; der große  Stall ist nur noch eine Ruine, seine Ausmaße zeugen dafür daß in der Vergangenheit der Viehzucht eine große Bedeutung zukam; auch die ausgedehnten Weiden, versehen mit einem dichten  Grabensystem daß zur Düngung der Wiesen diente.

Zur Zeit werden diese Weiden nur noch von Schafen, die der Fleischherstellung dienen benutzt; die Scharfherden werden im Sommer auf der Weide geführt und leben dort frei ; sie  werden nicht mehr regelmäßig gehütet; die organischen Stoffe werden direkt von den Tieren in begränzten Gebieten abgelassen.  Dieser, fast ausgestorbene Hirtenbetrieb führt zu einer progressiven Verarmung der Weide, mit überbeanspruchten Gebieten, wegen  der hohen Konzentration organischer Stoffe. Dies verursacht starke Erosionsphänomene,  vor allem in den von den Herden stark durchlaufenen Gebieten, die Vegetation tendiert zu nitrofilen Bildungen aus Überschuß an Nährstoffen. In den weniger beanspruchten Gebieten verarmt die Weide auf Grund  geringer organischer Ausscheidungen, dadurch kommt es  zu Buschbildungen. Für die Produktion bedeudet dies einen hohen Verlust an wertvollen Erzeugnissen (wie Fleisch, Milch und Nebenprodukte) aber auch unter dem  landschaftlichen und natürlichen Gesichtspunkt  hat sich das Habitat verändert , die Pflanzenarten  verringert und die gesamte Landschaft hat sich dementsprechend angepasst.

Auf  1600 m Höhe führt der Weg in den Wald hinein,  der vorerst aus spärlichen Bergbirkenbäumen zwischen turmartig hervorragenden Felsen besteht, unter denen der Weg sich durchschlängelt; weiter wird der Bergbirkenwald dichter und bedeckt die ehemaligen Weiden vollständig.

Dem Weg entlang kann man da Felsengravierungen beobachten, die Zeugnisse einer sehr alten menschlichen Kolonisierung im Ribordonetal ebenso wie in den übrigen canavesanischen Tälern sind. Man kann zwei Gruppen aus konzentrischen Kreisen bestehender Gravierungen beobachten (die auf Sonnensymbolik oder Weiblichkeitssymbolik zurückzuführen sind), die als einzigartig gelten. (G. Bertotti, Messaggi sulle rocce- Le incisioni rupestri nelle Valli Canavesane del Gran Paradiso, 1990, in der Buchserie “Orco antropologica” ).

Gerade unterhalb der Wegspur findet man einzelne buschartige Felsenbirnen (Amelanchier ovalis), die in diesen Gebieten selten wachsen,  da der benötigte kalkhaltige Naturboden, die Sonne und die Trockenheit fehlen. Den gleichen buschförmigen Baum finden wir wieder  in diesem Tal beim Aufstieg zum Colle Crest.

Beim Abstieg zur Fraktion Posio haben sich  dank der stärkeren Bodenfruchtbarkeit und -tiefe Ahorn und Eschenwald anstelle der Birke angesiedelt. Diese Pflanzengesellschaften haben sich am Hang hinter den Dörfern angesiedelt,  wo verbreitet Bodenterrassen zu finden sind,  die in früheren Zeiten sicherlich bebaut und wo einzelne Eschenbäume angepflanzt wurden, um Laubzweig für das Vieh  zu gewinnen. Die heutige Entwicklung ist durch die Anwesenheit der Buche, die aus den  Buchenwäldern des mittleren Ribordonetales kommend hinaufsteigt, sowie von der vereinzelt  vorkommenden Fichte bezeugt, die sich aus den Wäldern des angrenzenden  Rio Boiretto-Seitentales verbreitet hat.

Ohne natur- (Windsturm, Erdrutsche) oder menschenbedingte Störungen (fehlerhaftes Fällen der Bäume) wird sich der Wald zu Buchen- und in den höheren Gebieten zu Fichtenwald entwickeln,  mit  einer weiten Zwischenschicht. Ein gutes Beispiel der Unterbrechung dieser Evolution infolge eines fehlerhaften Baumfällens kann man später auf der Trasse  zwischen Posio und Talosio sehen. Hier wurde  ein kleines Stück Ahorn-Eschenwald gefällt; dies hat  zu einer Zurückbildung  von einem Birken-Haselnusswald geführt und somit zu einer Verarmung des Ökosystems nicht nur im  naturalistischen, sondern auch im forstwirtschaftlichen Sinne.

Gezielte Forsteingriffe hingegen, die eine ausreichende Baumabdeckung hinterlassen, können die natürliche Dynamik in den zu starken Evolutionsphasen ausgesetzten Wäldern beschleunigen. 

Das gleiche Phänomen der Wiesenbedeckung durch den Ahorn-Eschenwald kann man in einer früheren Phase leicht um den Weiler Talosio beobachten.

Diese Pflanzenentwicklung, die dazu beiträgt, diese Landschaft zu verändern, ist mit dem Bevölkerungsstand eng verbunden. Anfang des  19. Jahrhunderts zählte die Gemeinde Ribordone  1500 Einwohner, die mit der Ausnahme von wenigen Saisonarbeitern in der Ebene hier selbstständig leben konnten. Im Jahr 2011 zählte man nur noch 69 Einwohner, die teils nicht ganzjährig hier ihren Wohnsitz haben und die sicherlich nicht von den örtlichen Ressourcen leben.

Im Weiler Posio sind weitere Spuren des intensiven Lebens erhalten, das in der Vergangenheit diese Dörfer belebte, wie zum Beispiel die religiösen Wandmalereien an den Hausfassaden.

 

 

Wenn man in Talosio ankommt, sieht man unter den ersten Häusern des Dorfes einen sehr interessanten Monolith,  der als Tränke benutzt wird  und mit einer Eingravierung des Jahres 1866  beschmückt ist.