Colle Crest - Convento (Ronco Canavese)

Merkmale
Startpunkt: 
Colle Crest
Starthöhe: 
2050 m
Ziel: 
Convento, Ronco
Zielhöhe: 
1145 m
Wegweiser: 
601
Höhenmeter: 
1145 m
Länge: 
4,6 km
Schwierigkeitsgrad: 
E - Wanderung - Siehe Schwierigkeitsskala
Laufzeit: 
Hinweg: 3 h 50 min - Rückweg: 2 h 35 min
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GPS-Track: 
Anhänge: 
Stützpunkte: 

Anfahrt

Man nimmt die das Soana-Tal hinaufsteigende Provinzstraße SP47 und zweigt in die Straße des Forzo-Seitentales ab, bis man den Ortsteil Convento der Gemeinde Ronco Canavese erreicht. In Ronco liegt in der Nähe der Brücke die Haltestelle der GTT-Linienbusse, die Ronco mit Pont Canavese verbinden.

Beschreibung

Vom Colle (Pass) Crest führt der Weg hinunter in das Vallone (Seitental) di Fatinaire im Soana-Tal. Der Weg durchquert dabei einen steilen und holprigen Hang, der dicht mit Grünerlen bewachsen ist. Man gelangt somit in eine Umgebung, die deutlich mit der offenen und luftigeren Landschaft des Ribordone-Seitentales kontrastiert.

 

Das Vorhandensein von Grünerlen auf diesem Nordhang wird auch vom Ortsnamen Droser (drosa im Ortsdialekt) bezeugt, der den oberen Bereich der vom Weg durchquerten Geländevertiefung bezeichnet. Trotzdem hängt die heutige Verbreitung der auf dem gesamten Hang wachsenden Erlen mit Sicherheit davon ab, dass die bis vor einigen Jahren mit Schafen und Ziegen auch auf diesem steilen Hang betriebene Weidewirtschaft aufgegeben wurde. Ein Zeugnis ist das Vorhandensein der direkt unterhalb der Strecke liegenden Hütte der Alpe Crest, die heute vollkommen verlassen und von Bäumen umgeben ist.



Die Morphologie dieses Hangs zeichnet sich durch seine besondere Gliederung aus und charakterisiert sich durch Elemente, die von der geologisch-strukturellen Kontrolle und von großen Hangrutschen (gravitative Hangverformungen) bedingt werden, sonderbare Formen zur Folge haben (gebrochene Morphologien, scharfe Kämme, parallele Hangrippen, Terrassen und Gegenneigungen usw.) und das Landschaftsbild einzigartig gestalten.

 

 

Gerade wegen dieser morphologischen Eigenschaften entstanden im Lauf der vergangenen Jahrhunderte Sagen, die von übernatürlichen Vorkommnissen handeln, die auf tief verwurzelte Ängste und Aberglauben beruhen sowie auf die Unfähigkeit, die einfach von natürlichen Ereignissen abhängigen Umstände wissenschaftlich zu erklären.

In der Nähe liegt in den Hochflächen zwischen der Cima Rosta und der Cima Loit der Pian dei Masche (es handelt sich hierbei um Gegenneigungen, die durch gravitative Hangverformungen entstanden, was gut anhand der folgenden Luftaufnahme unter der Cima Rosta, die einem nicht fachmännischen Betrachter sonderbar vorkommen mag, ersichtlich ist). Da trafen sich der Sage nach die Bewohner jener Täler, um die Angst vor den „Masche“ (Hexen) und ihren schrecklichen Zauberkünsten mit Gesang, Tanz und großen Trinkgelagen auszutreiben (M. Centanino, Uomini, boschi e Dei – Orco e Soana tra storia e leggenda, 1995).

Der Weg führt an der Alpe Sionei vorbei, einer großen zwischen weitläufigen Weiden gelegenen Alp, die nach relativ modernen Wirtschaftsmethoden betrieben wird und mit einer Schwebebahn ausgestattet ist. Leider zeigt die Alp heute eindeutige Spuren des Verfalls, da sie langsam aufgegeben wird.

Unterhalb der Weiden folgt der Weg steilen Bergrippen, die von der Punta del Sionei und der Costa Doccia zum Vallone (Seitental) di Fattinaire hinunterführen. Da kann man eiszeitliche Ablagerungen sehen, die durch Ablation entstanden sind; sie sind durch große Felsen mit glatter Oberfläche gekennzeichnet, die vor allem am Rande der extrem steilen Böschungen emporragen.

Auf dem Weg sieht man Lärchen, an denen sich die Wildtiere gerieben haben, um ihr Revier zu markieren und ihr Fell und ihr Geweih zu säubern.

Der zunächst aus Lärchen bestehende Wald bereichert sich unter 1400 m Höhe mit Weißtannen, Buchen und den selteneren Fichten. Die Weißtannen sind hier weit verbreitet und bilden einen der interessantesten Nadelwälder im piemontesischen Teil des Parks. Im Orco-Tal und im Soana-Tal kommt die Weißtanne nur in kleineren Wäldern vor; der entlang des Wegs liegende Wald ist der zweitgrößte Weißtannenwald nach dem Nadelwald von Ribordone. Weitere Nadelwälder befinden sich oberhalb des Ortsteils Reverso in der Gemeinde Ingria, ein isolierter Wald befindet sich im Piantonetto-Seitental oberhalb der Ortschaft Casette und ein kleines, abgelegenes Wäldchen liegt zwischen der Alpe Ussel und der Cima dell’Angiolino in der Gemeinde Sparone. Im Ortsdialekt heißt die Weißtanne vargnu oder vuargnu, eine Wortwurzel, die wir auch im Ortsnamen der oberhalb von Boschettiera am Kopf des Forzo-Seitentales gelegenen Grange Vargnei wiederfinden und die davon zeugt, dass diese Baumart früher wesentlich weiter verbreitet war als heute.

Auf 1250 m Höhe wird der steile Hang durch eine ebene Fläche unterbrochen. Es handelt sich um einen verlassenen Kohlenmeiler. Hier wurde das geschlagene Holz in großen Stapeln mit Erde bedeckt und durch die sauerstoffarme Verbrennung, bei der das Wasser ausgeschieden wird, zu Holzkohle umgewandelt. Dadurch wurde der Transport ins Tal erleichtert, da das Holz auf diese Weise bis zu 80% seines Gewichts verlor. Dieser Meiler zeugt davon, dass Buchen früher in diesem Gebiet weit verbreitet waren, da die Holzkohle fast ausschließlich aus Buchenholz gewonnen wurde.

In dem wilden und unwegsamen Vallone (Seitental) di Fattinaire soll früher der Sage nach der Weiler Fatinairi existiert haben. Die Einwohner dieses Vororts zeichneten sich, wenn sie ins Tal hinabstiegen, durch ihr arrogantes und rücksichtsloses Verhalten gegenüber den Talbewohnern aus und kümmerten sich auch nicht um die Ermahnungen der Pfarrer. Aus diesem Grund wurde der Weiler von einer göttlichen Strafe in Form einer schrecklichen Überschwemmung heimgesucht, die den Ort und ihre zwei- bis dreihundert Einwohner vernichtete. Der Sage nach wurde in dem ins Tal geschwemmten Geröll nur den Glockenschwengel der Kapelle des Weilers gefunden (M. Bertotti, Appunti storici e corografici sulla Valle Soana nei secoli XVII e XVIII, 1982; M. Centanino, Uomini, boschi e Dei – Orco e Soana tra storia e leggenda, 1995; G. Bertotti, A. Paviolo, A. Rossebastiano, Le Valli Orco e Soana – Note sui nomi delle località, torrenti e montagne delle Valli Orco e Soana e sul loro significato, 1994).

Infolge der für die Abfassung der geologischen Beilagen zum Bebauungsplan von Ronco durchgeführten geomorphologischen Studien (M. Balestro) hat die genaue Untersuchung der örtlichen Morphologien die Sage in technisch-wissenschaftlicher Hinsicht bekräftigt. Die folgende Abbildung zeigt die Krone eines großen Hangrutsches (rot gekennzeichnet), dessen Ablagerungen im baumbewachsenen Bereich im großen Wildbachkegel von Bosco (gelb gekennzeichnet) am Zusammenfluss des Forzo-Baches in den Soana-Bach zu erkennen sind. Laut historischen Rekonstruktionen soll sich der Weiler Fatinaire genau an der Spitze des Wildbachkegels befunden haben, weshalb es durchaus möglich ist, dass die Ortschaft völlig zerstört und vom durch einen Bergrutsch verursachten Geröll begraben wurde (in den „Atti di visita delle Corrosioni de Luoghi di Ronco, Valprato, Ingria und Campiglia nella Val Soana“ aus dem Jahre 1725 werden die auch nach Jahrzehnten noch gut sichtbaren Spuren des Ereignisses von 1654 beschrieben).

 

 

Die von Überschwemmungen verursachten Auswirkungen sieht man heute noch im Bereich des Überschwemmungskegels des Rio Fattinaire, da diese häufig innerhalb des hydrographischen Beckens vorkommen, auch wenn sie durch unterschiedliche Faktoren in unterschiedlichen Ursprungsorten hervorgerufen werden.

Infolge der Überschwemmung vom Juli 2001 (die einen Murgang vom Vallone (Seitental) di Ciarmetta bis zum Ortsteil Convento verursachte) wurden an der Spitze des Wildbachkegels hydraulische Eingriffe ausgeführt, die sich stark auf das Landschaftsbild auswirkten. Die Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen, doch die Überreste der Baustelle haben leider eine ziemlich verwüstete und zerstörte Landschaft hinterlassen.

 

Der Ausblick hinunter in das Forzo-Seitental besticht allerdings durch das wunderschöne Panorama, wie das folgende Foto mit seinen leuchtenden Herbstfarben bezeugt.

 

 

Nach der Überquerung des Rio (Baches) Fattinaire kann man in der Nähe der verlassenen Häuser von Betafin einige Eschen sehen, deren heutiger Wuchs ihre frühere Verwendung bezeugt: vor allem im Frühling, wenn die jungen Sprossen den Tieren besonders gut schmeckten und das Gras auf den Weiden noch nicht wachsen wollte, wurden die jungen Zweige wiederholt beschnitten, um als Zusatzfutter für das Vieh verwendet zu werden.