Chiesale - Campiglia - Colle della Borra - Piamprato bivio 630

Merkmale
Startpunkt: 
Chiesale
Starthöhe: 
1172 m
Ziel: 
Piamprato bivio 630
Zielhöhe: 
1622 m
Wegweiser: 
628
Höhenmeter: 
Bergauf: 1406 m - Bergab: 958 m
Länge: 
11,8 km
Schwierigkeitsgrad: 
E - Wanderung - Siehe Schwierigkeitsskala
Laufzeit: 
Hinweg: 7 h 15 min - Rückweg: 6 h 10 min
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GPS-Track: 
Anhänge: 
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Stützpunkte: 
  • Rifugio (Berghütte) Bausano, San Besso, nicht bewirtschaftet und verschlossen (Tel. +39 3470564329 , +39 3402805299), acht Betten, Kochmöglichkeit;

  • Posto tappa (Etappenunterkunft) gta Piamprato, nicht bewirtschaftet, am Ende der Ortschaft, von Valprato kommend links gelegen;

Anfahrt

Man erreicht den Ortsteil Chiesale der Gemeinde Valprato Soana über die das Campiglia-Seitental hinaufführende Provinzstraße SP47; eine Nebenstraße, die den Campiglia-Bach hinter sich lässt, führt nach Chiesale.

Man erreicht Valprato mit den GTT-Linienbussen aus Pont Canavese; im Sommer wird die Buslinie bis nach Piamprato verlängert.

 

Beschreibung

Von der Ortschaft Chiesale (der Name soll vom französischen “chezal” abgeleitet sein, das ist ein Bauernhaus oder auch ein kleines Bauerndorf. Siehe: G. Bertotti, A. Paviolo, A. Rossebastiano, Le Valli Orco e Soana – Note sui nomi delle località, torrenti e montagne delle Valli Orco e Soana e sul loro significato, 1994) führt der Weg durch dichte Wälder und einen Buchenwald mit besonders großen Exemplaren dem steilen linken Hang des Campiglia-Seitentals entlang.

Auf der Ansichtskarte unten, die Chiesale im Jahr 1933 zeigt, sieht man, dass auf den die Häuser umgebenden steilen Hängen, die nun völlig mit Wald bewachsen sind, damals eine intensive Landwirtschaft betrieben wurde.

 

Am Ortsausgang in Richtung Campiglia wächst am Rand des auf diesem Streckenteil steil am Hang ansteigenden Weges eine ziemlich große Ulme, die eine Seltenheit darstellt, da diese früher von den Bergen bis zur Ebene verbreitete Baumsorte ab den 60er Jahren der von einem asiatischen Pilz verursachten Ulmenwelke zum Opfer fiel.

 

Anschließend führt der Weg durch interessante Buchenwälder mit majestätischen Exemplaren und einigen vereinzelten Lärchen. Hier sieht man auch kleine ebene Flächen, die den Hang unterbrechen und wo einst Kohlemeiler standen. Der Buchenwald wurde als Nutzwald betrieben und alle 20 Jahre geschnitten; die Erneuerung des Waldes wurde durch den Nachwuchs der Baumstümpfe gewährleistet. Das Holz wurde in den Meilern in Holzkohle umgewandelt, um den Transport ins Tal zu erleichtern. Das Vorhandensein von Lärchen lässt sich wahrscheinlich durch die Aufforstung erklären, um die Forstwirtschaft zu bereichern und um große Nutzhölzer zu produzieren, die vor allem für das Dachgebälk verwendet wurden. Heute müsste man, nachdem der Wald mindestens 50-60 Jahre lang nicht geschnitten wurde, beim Schneiden besondere Vorsicht walten lassen, da die mittlerweile alt gewordenen Baumstümpfe nicht mehr in der Lage sind, den Wald durch Nachwuchs zu erneuern. Es wäre notwendig, dass der forstwirtschaftliche Eingriff so gestaltet würde, dass eine ausreichende Anzahl von Pflanzen zurückbleibt, die den für einen angemessenen Baumbewuchs notwendigen Samen produzieren, um die für das Wachstum neuer Pflanzen notwendigen Bedingungen zu gewährleisten.

Weiter aufsteigend kommt man an einigen Hüttenruinen vorbei, die von der vor langer Zeit stattgefundenen menschlichen Ansiedlung zeugen; es sind auch einige Spuren der Terrassierung zu sehen. Heute hat die Natur endgültig die Oberhand gewonnen und die Bewaldung nimmt wieder den gesamten Hang ein.

In der Nähe von Campiglia wird der Buchenwald von Haselnusssträuchern und einem Ahorn- und Eschenwald abgelöst, die den Platz der früheren Wiesen – Weiden und Äcker, die nach und nach sich selbst überlassen wurden, eingenommen haben. Auf der Ansichtskarte, in der Campiglia im Jahr 1954 dargestellt wird, sieht man, dass der Ortsteil von Wiesen umgeben war. Auch die linke, dem Ortsteil gegenüberliegende Talseite war gänzlich von Wiesen bedeckt.

Das Panorama öffnet sich im kleinen Becken von Campiglia und gibt den Blick auf das obere Campiglia-Seitental in Richtung Piano dell’Azaria frei. An diese Örtlichkeiten erinnert auch der Schriftsteller Mario Rigoni Stern (Asiago 1/11/1921 – 16/6/2008), der sich im Frühjahr 1940, kurz vor dem Kriegseintritt Italiens in den II. Weltkrieg,  als Bergsteiglehrer in den hiesigen Militärlagern aufhielt (M. Rigoni Stern, In una valle felice prima della bufera, La Stampa del 7/7/1980).

Der Weiler Campiglia war früher eine selbstständige Gemeinde und erster Rathaussitz des Soana-Tals; die dem Heiligen Ursus gewidmete Kirche (die schon in den Statuten von Pont und Valli aus dem Jahr 1300 genannt wird) war die erste Pfarrkirche des Soana-Tals, zu der auch Cogne im Aosta-Tal gehörte. Die Pfarreien von Ronco und von Valprato trennten sich 1280 beziehungsweise 1609 von Campiglia ab (R. Herz, San Besso – Studio di un culto alpestre, 1928; von R. Petitti übersetzte Ausgabe, 1994).

Immer auf der linken Talseite durchquert man die Ebene von Campiglia durch weite Wiesen, die sich früher mit bebauten Feldern abwechselten.

Auf der rechten Talseite wird an dem Wildbachkegel des Rio Busiaire grenzend das neue Besucherzentrum des Nationalparks Gran Paradiso errichtet (es ähnelt in der Form einem Lärchenzapfen). Darin wird die Beziehung zwischen Mensch und Bergwelt in seiner Vielfalt beschrieben: es werden die Geschichte der menschlichen Ansiedlung der Bergtäler, die Entwicklung der Landwirtschaft, des Ackerbaus und der Viehhaltung so wie die Bräuche und Trachten des Tals dargestellt.

In dieser Gegend sind für die Bergtäler typische morphologische Formen, die in der Abbildung unten gekennzeichnet sind, gut sichtbar:

  • ein aktiver Wildbachkegel, der sich durch aufeinanderfolgende Ablagerungen des Rio Busiaire an der Hauptmündung in der Talsohle durch die bei Überschwemmungen entstehenden Geröllströme bildet; 

  • Böschungsränder, die durch seitliche und Grunderosion vom Wasserlauf gebildet werden und das Bachbett begrenzen;

  • Ein Hauptböschungsrand längs des Laufs des Campiglia-Baches, der durch seitliche Erosion während früherer Überschwemmungen entstand und auf die Überschwemmung im Jahr 1718 zurückgeführt werden könnte, in der der Campiglia einen Seitenarm zur Ortschaft hin wieder aktivierte und einige Gebäude und eine Mühle zerstörte (Mühlen waren früher verbreitet, um die in Berggebieten verbreitete Gerste zu mahlen).

 

Die Spur dieses mittlerweile vom Wasserlauf nicht mehr verwendeten aber potenziell wieder aktivierbaren Bettes ist weiterhin in der Grundstücksgeometrie des Grundbuchs sichtbar.

Dies ist auch aus dem Kartenauszug unten ersichtlich, der die georeferenzierte Überlagerung der technischen Karte der Provinz Turin im Maßstab 1:5000 mit dem Grundbuchplan der Gemeinde Valprato darstellt.

Bemerkenswert ist auch das anders verlaufende Bett des Baches: Es wurde infolge wiederholter Eingriffe nach jeder Überschwemmung fast vollständig im Vergleich zu seinem natürlich kurvenreichen Verlauf begradigt. Auf diese Weise entsteht leider ein deutliches Ungleichgewicht, wodurch trotz der trügerischen Sicherheit eine höhere Wahrscheinlichkeit von Überschwemmungen besteht.

Am Eingang zum Fanton-Hochtal steigt der Weg steil zwischen nach und nach verlassenen Weiden auf, in denen der Wald wieder die Oberhand gewinnt.

Längs des Anstiegs stehen einige Votivkapellen, die auf dem Weg zur Wallfahrtskirche Sankt Besso erbaut wurden.

Die Wallfahrtskirche steht unterhalb der Monte Fauterio (oder Fautenio) genannten Felsnase, die einsam zwischen grasigen Bergsätteln emporragt, welche sich vom großen und steilen Hang bis hin zur Wasserscheide zum Piamprato-Tal in einer einzigartigen und faszinierenden Landschaft ablösen.

Der Kult des Heiligen Besso ist in den Gemeinden des Alto Canavese tief verwurzelt; seit alters her wird er mit einer großen Prozession gefeiert, die jedes Jahr am 10. August stattfindet mit der Teilnahme des Bischofs von Ivrea. Die alljährliche Feierlichkeit wird von einem Gremium der fünf Gemeindekirchen Campiglia, Ronco, Valprato, Ingria und Cogne organisiert, die laut dem Brauch ein „Anrecht auf San Besso“ haben, da sie an der Errichtung der Wallfahrtskirche teilnahmen und sie instand halten.

Der Ursprung des Kultes des Heiligen Besso verliert sich in der Vergangenheit und lässt sich sogar auf einen vorchristlichen Kult zurückführen (R. Herz, San Besso – Studio di un culto alpestre, 1928; aus dem Französischen von R. Petitti übersetzte Auflage, 1994).

Die Route steigt gleichmäßig längs des steilen Hanges zum Colle (Pass) della Borra auf einem alten Pfad, der nach dem Pass bis zu den Resten eines nahegelegenen Bergwerkes führt. Dieser Pfad wurde früher verwendet, um die mit den mit Erz beladenen Schlitten bis nach Campiglia runterzufahren.

 

 

Man erkennt die Lage des Bergwerks noch heute am auf dem Hang aufgeschütteten Schutt unterhalb einiger Ruinen und einiger kleinen Plätzchen, die für die Bergwerkstätigkeit verwendet wurden. Laut einer örtlichen Überlieferung wurde sie vom Pfarrer Don Vitulo von Pianetto entdeckt, der hier Kupfererz gefunden haben soll (AA.VV., Sui sentieri della Val Soana – Itinerari alla scoperta della storia e della cultura alpina, 1997). Das Bergwerk wurde anschließend bis Beginn des 20. Jahrhunderts betrieben und es wurden Chalkopyrit, Galenit und andere Erze gewonnen (auch einige Spuren von Gold wurden gefunden)

Der Name “Borra” könnte mit diesen Tunneln und Grotten zusammenhängen.

Der Weg erreicht nun die inmitten des Seitentales stehenden, heute verlassenen Grange (Hütten) La Borra.

 

 

Nur wenig oberhalb der Hütten trifft man zuweilen auf eine Herde Rinder, die auf den grasigen, von den örtlichen geologischen Verhältnissen bedingten Bergterrassen ausruhen. Die Gegend ist von Schichten aus von den Eiszeiten modellierten Bündnerschiefer gekennzeichnet.

Mit einer langen Überquerung führt der Weg bis zur außerhalb des Vallone (Seitentales) della Borra gelegenen Grangia Orlietto, um anschließend an der Grangia Vandilliana vorbei wieder in das Seitental zurückzuführen.

Es handelt sich um noch gut genutzte Weiden, worauf im Sommer eine Herde von 35 Rindern der valdostanischen Rasse sowie 160 „Biella“-Schafe und 80 Ziegen einer hiesigen Rasse geweidet werden. Die Weide wird in rationeller Weise mit Hilfe von Hunden und womöglich von Elektrozäunen bewirtschaftet. Obwohl die Alp nur zu Fuß erreichbar ist, werden hier Milch und Käse erzeugt. Das Melken erfolgt von Hand und durch die traditionelle Käsebereitung werden ausgezeichnete Käse erzeugt, die in einem dafür vorgesehenen frischen Kellerraum gelagert werden (crotin, typisches Steingebäude), das in Vandilliana liegt. Der Käse wird in regelmäßigen Abständen auf dem Pferderücken ins Tal gebracht.

Diese heute in unseren Bergen immer seltener anzufindenden Alpen spielen eine wichtige Rolle für die biologische Vielfalt und das Landschaftsbild. Durch die Anerkennung dieser Rolle können diese Betriebe unterstützt werden und  es wird auch den normalerweise unter schwierigen Bedingungen arbeitenden Alphirten geholfen.

 

 

Die Strecke von der Alpe Vandilliana bis zur Talsohle führt durch einen spärlichen Lärchenwald. Früher wurden Lärchenwälder auch als Weide genutzt: Diese Baumsorte beschattet nämlich den Boden nur wenig und ermöglicht so das Wachsen eines Grasmantels unter den Baumwipfeln. Auf besonders steilen Hängen, wie hier, wurde der Wald bewahrt, um Erdrutsche zu vermeiden.

Vom Weg aus genießt man herrliche Ausblicke auf das Vallone della Reale, wo die Route zum Col Larissa läuft (siehe nächste Etappe).

 

 

Man erreicht die Talsohle des Piamprato-Tals in Prariond.

Örtlichen Quellen zufolge, die fast an das Sagenhafte grenzen, gab es hier einen Weiler, in dem ein paar Dutzend Hirten lebten und der am 17.5.1711 durch eine riesige Lawine, die von der Vandillianaschlucht abging, vollständig zerstört wurde. Der größte Teil der Einwohner und der gesamte Viehbestand kamen um, die Überlebenden zogen nach Piamprato und der Weiler wurde (vernünftigerweise!) nicht wieder aufgebaut (AA.VV., Sui sentieri della Val Soana – Itinerari alla scoperta della storia e della cultura alpina, 1997).

Der Name wird üblicherweise auch wegen der runden Form der Wiesen, was in diesem bestimmten Teil der Talsohle durch die Bachschleifen verursacht wird, mit „prato rotondo“ (runde Wiese) übersetzt. In der Tat müsste er auf den Begriff „rion“ zurückgeführt werden, der im Dialekt des Aosta-Tals neue Weide oder erst kürzlich bebauter Acker bedeutet (Henry) (G. Bertotti, A. Paviolo, A. Rossebastiano, Le Valli Orco e Soana – Note sui nomi delle località, torrenti e montagne delle Valli Orco e Soana e sul loro significato, 1994).